
Organopathie ist eine Form der Behandlung, wo anders als in der klassischen homöopathischen Fallaufnahme, die Lokalität der Symptome und ihre Beziehung zu einem bestimmten Organ das entsprechende Mittel zur Behandlung indiziert [1].
Dieser Ansatz stammt aus der Volks-medizinischen Praxis und wurde ursprünglich von Paracelsus (1493-1541) und seim Diktum geprägt [6] “Ähnliches müsse mit Ähnlichem verglichen werden”. Die zugrunde liegende Idee war, dass eine Krankheit geheilt werden könne, durch ein pflanzliches Arzneimittel, das ähnliche Eigenschaften in seiner Signatur ausgedrückt [3]. Signatur, als eine Lehre, beschreibt die Struktur und die Eigenschaften der Pflanzen und ihre Ähnlichkeit zu Organen oder Organsystemen [9]. Für Paracelsus bedeutete dies, dass eine Störung in den Organen durch ein pflanzliches Heilmittel, das ähnliche Eigenschaften wie die Krankheitssymptome eines Organs oder Organsystems zum Ausdruck brachte, kurativ auf die Symptome und damit die Krankheit wirken konnte [8].
Die paracelsische Ähnlichkeit ist aber eine andere als die die den hahnemannschen Prinzipien zugrunde liegt. Für Hahnemann (1755-1843) bedeutete das Diktum “Ähnliches heilt Ähnliches” dass die Symptomatik eines Patienten, durch eine Medizin geheilt werden kann die bei einer gesunden Person ähnliche Symptome hervor gerufen hat [3].
In seiner Zeit dann, nahm Rademacher (1772-1850) die ältere Definition von Ähnlichkeit auf, und verfolgte den Ansatz, dass durch die Identifizierung der Lokalität einer Krankheit eine Verbindung zu einem potenziell erkrankten Organ bestand [4]. Als solches war für Ihn die Heilung eines kranken Organs oder Organsystems, eine Behandlung des Ursprungs der Krankheit die durch das Individuum als Ganzes ausgedrückt wurde [7].
Burnett (1840-1901) verband die Ansichten von Paracelsus und Rademacher und kombinierte diese mit der homöopathischen Lehre und schmiedete dadurch den organopatischen Behandlungsansatz [5].
Burnett nutzte hauptsächlich die unteren homöopathischen Potenzen und Urtinkturen, insbesondere aber entwickelte er die Verwendung von Nosoden, die nach miasmatischen Überlegungen, vor allem in der Behandlung von Krebs Anwendung fanden [5]. Burnett hatte eine pathologische Sichtweise im bezug auf Krankheit, und glaubte, dass nicht nur die ganzheitliche Symptomatik den kranken Zustand eines Patienten reflektierte, sondern dass ein präziser Ausdruck der Krankheits – Pathologie benötigt würde, um eine angemessene Behandlung, das Similimum, zu identifizieren [2]. Daher wurde die Lokalität einer Krankheit ein Hauptindikator für die heilbringende Verschreibung [2]. Diese Sicht stand in klarem Gegensatz zu den Prinzipien der klassischen Homöopathie [4].
Laut Hahnemann aber, wird auch eine Beeinträchtigung der Gesundheit, welche durch die Erkrankung eines Organs ausgedrückt wird, am besten behandelt unter Berücksichtigung des ganzheitlichen Erscheinungsbildes des Patienten [10]. Nach Burnett kann dieser Zustand jedoch nur geheilt werden, durch Beheben der krankmachenden Ursache welche potenziell in einem Organ oder Organsystem aufzufinden ist [4]. Als solches richtet sich die Organopathie nach einer allopathischen Form der Verschreibung, die sich an einer klinischen Diagnose orientiert und mit in die holistische Fallaufnahme einbezogen wird [11]. Organopathie unterscheidet sich von der Homöopathie, und ist daher eher ein Ansatz der als ergänzendes Werkzeug dem behandelnden Homöopathen zur Verfügung steht.
Auf Clever Homeopathy, gab es zum Thema eine interessante Diskussion über die mögliche Rolle von Spagyrika in der organopatischen Behandlung (in Englisch). Siehe Kommentare: http://cleverhomeopathy.wordpress.com/2013/02/25/in-a-nutshellorganopathy/#comments
Weitere Informationen gibt es hier (in Englisch): http://hpathy.com/homeopathy-papers/a-critical-analysis-of-organopathy-in-diagnosis-and-practice/
References:
[1] Witt, P. (2007) Organotropie : Was versteht man in der Homoeopathie unter Organotropie? [online] last accessed 13.03.10 at URL http://www.homoeopathie-heilpraktiker.de/lexikon/organotropie.htm
[2] Blair, J. (2009) Organopathy – a relevant approach? The Homeopath Vol.28, No.3, pp.92-99.
[3] Monk-Schenk, M. (2002) Organ Remedies; Our Gift from Paracelsus and Rademacher, with Special Focus on the Liver and Spleen The Homeopath No.87, pp.14-19.
[4] Wholehealthnow (2008) Specificity of Seat – James Compton Burnett and the Generalization of Locality [online] last accessed 13.02.10 at URLhttp://www.wholehealthnow.com
[5] Morrell, P. (1995) From Cooper Club to Flower essences: A Portrait of British Homeopathy 1870-1930 [online] last accessed 13.03.10 at URLhttp://homeoint.org/morrell/articles/pm_coope.htm
[6] Clarke, J.H. (1999) Hahnemann and Paracelsus [online] last accessed 13.03.10 at URL http://homeoint.org/morrell/clarke/prefacemorrell.htm
[7] Dudgeon, R.E. (2000) Similarities between Hahnemann and Paracelsus [online] last accessed 13.03.10 at URL http://www.homeoint.org/morrell/clarke/dudgeon.htm
[8] Whitney, J. (1996) The Legacy of Rademacher The Homoeopath No.61, pp.540-542.
[9] Rafeeque, M. (unknown) Doctrine of Signature in Homeopathy [online] last accessed 15.03.10 at URL http://www.similima.com
[10] Ledermann, E. (unknown) The homeopathic treatment of common liver and gall-bladder disorders [online] last accessed 13.03.10 at URLhttp://www.sciencedirect.com
[11] Netdoktor.de (2010) Klassische Homoeopathie [online] last accessed 13.03.10 at URL http://www.netdoktor.de/Krankheiten/Alternativmedizin/Klassische-Homoeopathie-10667.html
